Der Schatten der Vampire

transsylv Kopie

     Auf Leben und Untod in Transsilvanien(*)


Kein anderes Motiv hat das (Unter-)Bewusstsein des homo sapiens in einem derartigen Ausmaß beschäftigt wie der makabre Mythos des Wiedergängers. Untote haben die schönen Künste mit Leben erfüllt und das Reich der bewegten Bilder erobert. Vampire und Blutsauger tummeln sich überdies in Teildisziplinen der Psychologie und Anthropologie.

Allen diesen Ansätzen haftet jedoch der Makel der Unexaktheit an. So blieb es allein der Kunst mathematischer Intuition überlassen, das Problem des Vampirismus genau zu beschreiben und adäquat zu lösen. Der wesentliche Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Vermeidung jeglichen Kontaktes zu den schädigenden Toten und erspart somit dem wagemutigen Wissenschaftler das tragische Schicksal unzähliger Vampirologen, die sich in das bedauernswerte Objekt ihrer eigenen Studien verwandelten.

Die epochale Arbeit auf dem Gebiet der mathematischen Vampirologie leitet die optimale Strategie des Blutsaugens für dynamische Vampire ab, die über unterschiedliche Nutzenfunktionen verfügen. Sie ist in der Folge, ihrem wesentlichen Gehalt nach, vereinfacht dargestellt.

Mamadracului – ein isolierter transsilvanischer Weiler – lässt sich auf jeder Landkarte der Latifundien um das Schloss Dracula mühelos lokalisieren. Während die Bevölkerungszahl h(t) Seelen zum Zeitpunkt t beträgt, treiben nächtens am selbigen Ort durchschnittlich v(t) Vampire ihr Unwesen.

Bekanntlich wird jedermann, der von einem Vampir heimgesucht wurde – ein Vorgang, der den einschlägigen Berichten zufolge stets mit einer gegen den eigenen Willen vollzogenen Blutentnahme gekoppelt ist – ebenfalls zum Vampir.  Die Gesellschaft der Blutsauger steht  jedoch vor einem einschneidenden Dilemma. Einerseits erwachsen ihr laufend Nutzenwerte durch das Ausbeuten der menschlichen Population. Mit jedem Biss vermindert sich andererseits der Vorrat an Menschen; ja, es erhöht sich sogar die Anzahl der Vampire um den entsprechenden Anteil. Gegenwärtiger Genuss ist somit unausweichlich mit mageren Jahren in der Zukunft verbunden. Dies sollte somit selbst Vampiren, die Politiker sind, ohne weiteres einleuchten.

Ist der Anfangsbestand an Menschen im Verhältnis zur Untotenanzahl hoch, so schöpfen die Vampire den Rahm bis zur stationären Schwelle ab. Andernfalls erlaubt ihr Konsumverhalten die Regeneration der Menschenbestände und das Erreichen des Schwellwertes.

Überschreitet hingegen r den Wert n+a, ist die Menschheit dem Untergang geweiht. Diese  Situation bietet eine mögliche Erklärung für die seit einem halben Jahrhundert beobachtete Absenz vampirischer Vorfälle in Transsilvanien. Mit Schrecken weisen wir auf den zukünftigen Zeitpunkt hin, in dem der Schwellwert  erreicht werden wird. Transsilvanien wird unserer prophetischen Worte noch gedenken!

   
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                                        Epigramm für einen Epigonen


                               Vergeblich suchst du, Snower, den Vergleich!
                               Den Menschen ist kein Steuerwert beschieden, 
                               Der optimal Vampire macht zur Leich'
                               Und ihrer Seele gibt den ew'gen Frieden. 

                               Und glänzest du auch auf Pontrjagin's Weis' 
                               Im Abklatsch desen, was wir längst schon hatten,
                               Bestimmst vergeblich du den Schattenpreis. -
                               Vampire haben nämlich keinen Schatten!

mit diesem Epigramm findet die schelmische Mathematik des optimalen Saugeverhaltens rationaler Wiedergänger ihren spötischen lyrischen Abschluss.


(*) © Peter Seidinger 1989

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